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Dein Rendezvouz mit dir selbst.



Stell dir vor, du lernst jemanden kennen. Die ersten Treffen. Oder du bist in einer Partnerschaft, die sich noch richtig gut anfühlt, zugewandt, am Gegenüber interessiert. Oder du begegnest einem Menschen aus deinem Freundeskreis oder deiner Familie, den du sehr liebst. Wie reagierst du, wenn die Person Schwächen zeigt, wenn sie Fehler macht, wenn sie tollpatschig ist? Wenn sie nicht zu 100% dem entspricht, was du als "perfekt" bezeichnen würdest? Mit welcher Haltung begegnest du ihr? Neugierig? Wohlwollend? Zärtlich? ...?


Uns selbst begegnen wir meist weniger freundlich. Oft erwarten wir von uns, dass wir immer alles "richtig" machen. Kritisieren uns, wenn Dinge nicht so laufen, wie sie sollen. Haben ein Bild von dem, was und wer und wie wir sein wollen und wehe wir werden dem nicht gerecht! Ich weiß nicht, ob es dir auch so geht, aber ich würde niemals mit einer Person in meinem Umfeld so sprechen, wie ich mit mir selbst rede...


Klar wäre es schön, wenn ich meine innere Kritikerin insgesamt in den Ruhestand schicken könnte. Aber im Alltag flüstert sie mir manchmal so subtil ihre Gemeinheiten ins Ohr, dass ich es gar nicht so recht mitbekomme. Irgendwann spüre ich, dass ich mich unsicher fühle, an mir zweifle, mich für etwas schäme und komme mir erst dann auf die Schliche, wenn ich rekonstruiere, wie mein innerer Dialog so war.


Wenn wir Yoga üben oder meditieren haben wir mehr Raum, mehr Ruhe, genau hinzuhören. Und sehr bewusst zu wählen, mit welcher Haltung wir uns begegnen möchten. Wenn wir uns entscheiden, uns selbst zärtlich, neugierig und milde zu betrachten, schafft das meiner Erfahrung nach eine sehr heilsame Atmosphäre. Eine, in der wir loslassen können davon, unserem Idealbild von uns selbst entsprechen zu wollen. Eine, in der wir uns annehmen, wie wir gerade sind. Eine, in der wir beobachten können, wie diese Stimmen in uns laut werden, die uns sagen, dass wir besser sein müssten, dass wir in dieser und jener Haltung besser aussehen müssten, dass wir es doch bitteschön hinbekommen sollten, dass der Kopf mal Ruhe gibt und wir in der Meditation die tollsten Erfahrungen machen. Andere schaffen es ja wohl auch...


Wir hören diese Stimmen und entscheiden uns, uns von einer anderen Warte aus zu betrachten. Uns selbst anzunehmen mit dem, was gerade ist. Die Unbeweglichkeit. Oder die Unruhe. Was auch immer da ist, können wir dann einfach da sein lassen. Wir nehmen wahr, was dieser innere Kampf, diese Unnachgiebigkeit, diese Unfreundlichkeit mit uns machen. Wie unangenehm sich das im Körper anfühlt. Wir treten einen Schritt zurück und betrachten uns selbst mit Mitgefühl. Werden weicher in all dem.


Ein Rendezvous mit sich selbst haben, das meint für mich genau das. Milde werden in meinem Blick auf mich selbst. Neugierig bleiben und in meiner Neugierde wertfrei. Zärtlich. Für mich fühlt sich das warm an und freundlich und verändert meine Praxis zum Positiven. Und ich bin überzeugt davon, dass diese Haltung mir selbst gegenüber nach und nach auch die innere Kritikerin in meinem Alltag milder stimmt.



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