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Davon, sich freier zu machen.



Manchmal neige ich dazu, an Dingen festzuhalten. Weil sie so schön gewohnt sind oder weil man darauf eben noch


mal zurückkommen möchte (vielleicht...) oder weil ich mich einfach nicht richtig entscheiden kann. Das war im Job so und mir fällt auf, dass es in meinem Hausstand auch so ist. Nach jeder längeren Reise, die ich mit sehr wenig Gepäck und Genuss an dieser Leichtigkeit verbracht habe, habe ich mir Schränke vorgenommen. Und es ist auch schon einiges weggekommen - zwei Umzugskisten mit "Zeug" habe ich meiner Trödelnachbarin geschenkt, zwei Umzugskisten mit Klamotten stehen im Keller und warten auf eine Idee, was ich damit machen soll. Aber es gab auch immer wieder Sachen, die ich wieder und wieder einfach mal behalten habe, weil es könnte ja sein, dass... Die Sitzbank im Keller, die schon einige Umzüge lang nur von Keller zu Keller wandert. Die zwei Couchtische, die dort seit einem Jahr stehen und die ich auch eigentlich nicht mehr in meiner Wohnung haben will. Die Flächenvorhänge, die auf dem Kleiderschrank vollstauben. Frisst ja alles kein Brot - aber doch ist alles da.


Und so ähnlich war es auch im Job: Obwohl mich dort schon seit vielen Jahren vieles ärgert, frustriert, unglücklich und unzufrieden macht, arbeitete ich eben trotzdem mit tollen Menschen zusammen, hatte eine wirklich gut bezahlte, sichere Stelle. Aber bei allem, was es auch Gutes hatte, war der Frust, war die Unzufriedenheit, war das fehl-am-Platz-Gefühl eben auch da.


Bis es und ich dann implodierte. Genug. Eine Stelle entdeckt, Bewerbung geschrieben, Stelle angeboten bekommen und lange überlegt, ob ich mit dem dicken Minus im Netto klarkomme - real und gefühlt. Doch die Chance auf mehr Zufriedenheit, mehr Leichtigkeit, weniger Gepäck, den Freiraum, den das "weiße Blatt Papier" mitbringt, wog schwerer.


Gleichzeitig entstand die Idee, mein Schlafzimmer umzugestalten. Auch hier mehr Freiraum zu schaffen für eine gemütliche Ich-Ecke für Yoga, fürs auch-woanders-Wohlfühlen. Heißt aber, meinen Kleiderschrank (der auch gleichzeitig Abstellkammer ist) deutlich zu verkleinern. Erst erschien mir das unmöglich. Dann entstanden Ideen. Und die Lust darauf, Zeug loszuwerden, mehr Raum zu schaffen, mehr loszulassen. Also sind heute die Sitzbank und die Couchtische aus dem Keller ausgezogen. Also verkaufe, tausche und verschenke ich alles mögliche, sammele weiter Kleinigkeiten zusammen für die Trödelnachbarin und stelle fest: das wird schon reichen mit dem Platz. Allein damit, dass ich Dinge ziehen lasse, die einfach eh nicht mehr zu mir gehören. Und vielleicht auch ein paar mehr Klamotten, die sich eben so nice-to-have-artig im Schrank stapeln. Und das fühlt sich so gut an! Und weil es sich so gut anfühlt, fällt es mir auch gar nicht so schwer wie früher.


Ebenso gut fühlen sich die letzten Tage im alten Job an. Ja, ich gebe etwas auf. Sicherheit. Das Wissen, woran ich bin. Tolle Menschen. Ein richtig gutes Gehalt. Aber das hat eben auch seinen Preis, indem sich mein Berufsleben eng und ungemütlich anfühlt. Voll gestellt ist damit, dass ich 18 Jahre Geschichte mit mir herumtrage, viele schlechte (neben auch furchtbar vielen guten) Erfahrungen, tausende E-Mails, Mailverteiler und Co. Allein die Vorstellung davon, im neuen Job neu anzufangen, ohne Ballast, ohne Geschichte, ohne so viel Altes im Mailpostfach und auf Laufwerken, wow, das fühlt sich richtig frei an. Und dann noch zeitlich mehr Raum, weil ich nur eine 75%-Stelle habe und die anderen 25% noch gestalten kann mit etwas anderem. Mehr Yoga unterrichten. Mehr Zeit für mich. Oder vielleicht etwas ganz anderes machen, auf das ich Lust habe. Vielleicht wird das ja sogar was, nebenher freiberuflich zu lektorieren? Plötzlich wird dieser Abschied, den ich mir total schwer und furchtbar vorgestellt habe, ganz leicht. Weil es sich richtig anfühlt.


Da ist plötzlich Platz für Gestaltung. In meinem Leben. Und bald auch in meinem Schlafzimmer. Und irgendwie finde ich das witzig, wie sich auf verschiedenen Ebenen parallel so Analogien ergeben. Als wäre da etwas in Bewegung geraten, als hätten sich da irgendwelche Fesseln gelöst. Fast bin ich neugierig, auf welche Ebenen sich das vielleicht noch auswirkt.


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